Stress und Cortisol

In Stresssituationen werden Stresshormone wie
Adrenalin ausgeschüttet.
Historisch betrachtet war das sehr sinnvoll, denn
Stresshormone bewirken eine Vielzahl von physiologischen
Veränderungen, die für „fight or flight“ – Situationen,
sehr nützlich sind.
Gemeint sind hier Situationen, die zu Kampf oder schneller
Flucht führen können und früher, bevor der Mensch zivilisiert
wurde, meist lebensgefährlich waren.
Die Stressreaktion des Körpers ist eine sehr schnelle Anpassungsmöglichkeit
des Körpers an Gefahrensituationen, in denen u.a. folgende Veränderungen auftreten:

– momentan unwichtige Körperfunktionen wie Verdauung werden gedrosselt
– es wird vermehrt Energie z.B. in Form von Kohlehydraten bereitgestellt
– die Muskulatur wird besser durchblutet
– der Blutdruck steigt
– der Puls beschleunigt sich

Alles sehr nützliche Veränderungen für einen harten Kampf oder eine schnelle Flucht.
Praktischerweise werden die Stresshormone durch die körperliche Arbeit, mit der
Kampf oder Flucht immer verbunden ist, gleich abgebaut, es ist also wieder
ein Gleichgewicht vorhanden.
Wenn wir heute gestresst werden, gibt es keinen (körperlichen) Kampf, keine Flucht,
denn unsere Stressoren heissen nicht mehr Säbelzahntiger oder feindliche Horde,
sondern Chef, Arbeitskollegen, Stau, pubertierende Kinder, mobbende Nachbarn, Lärm,
Zeitdruck, u.s.w.
Unser Leben ist deutlich stressiger als zu allen anderen Phasen der Menschheitsgeschichte.
Oftmals reiht sich ein Stress an den nächsten, zeitweilig sind sogar mehrere Stressoren
gleichzeitig am Werke.
Beispiel:
Man hat Termindruck für seine Arbeit, der Chef meckert, im Grossraumbüro ist’s
laut und dann kommt noch der Anruf, man möge bitte sein krankes Kind aus der Schule abholen….

Heutzutage ist Stressabbau durch Bewegung extrem selten geworden – im Gegenteil:
eigentlich müssten sich alle Getressten täglich bewegen, tatsächlich werden die Menschen immer träger und fauler.
Nach einem harten Tag noch 40 Minuten laufen?
Nein, ich entspanne mich lieber vor dem Fernseher….

Irgendwie müssen die Stresshormone jedoch wieder aus dem Blut kommen,
und dafür gibt es Cortisol.
Cortisol senkt die Stresshormone im Blut.
Wer oft Stress hat, schüttet dann auch oft Cortisol aus.
Irgendwann hat man dann einen chronisch erhöhten Cortisolspiegel, mit fatalen
langfristigen Konsequenzen für die Gesundheit:

  • Cortisol schwächt wie sein pharmazeutisches Pendant Kortison das ImmunsystemMan ist häufiger krank und die Zellerneuerung
    funktioniert nicht mehr so gut.
  • Cortisol ist ein kataboles Hormon, d.h. es wird Muskelmasse zur Energiegewinnung abgebaut
  • Cortisol schädigt die Nervenzellen, die Synapsen und eine Vielzahl von Hormonen und Neurotransmittern wie Dopamin, DHEA, Serotonin.
    Die dramatischen Folgen: Depression, Verblödung
  • Cortisol kann zum Burnout führen.
    Der Mensch ist einfach nicht dafür konstruiert, über Jahre und Jahrzehnte hinweg       dauerhaft grosse Mengen Cortisol zu produzieren.
    Irgendwann ist die Nebennierenrinde mit der Produktion überfordert,
    die Produktion wird gedrosselt, die Stresshormone wie Adrenalin
    können nicht mehr entsorgt werden und 
    zirkulieren in immer grösserer Menge im Blut => Burnout !
    Bei Burnout Kandidaten und depressiven Menschen (oft beides) ist der         Cortisolspiegel dann wieder extrem niedrig !
  • Cortisol entzieht dem Körper DHEA, eine Vorstufe der Testosteronproduktion.Die Folge: der Testosteronspiegel sinkt ! (siehe auch Testosteron und Cortisol)
  • Cortisol ist unser Aufweckhormon. Ca. gegen 7-8 Uhr steigt der Wert natürlich im Körper an und lässt uns erwachen.
  • Mit hohem Cortisolspiegel einzuschlafen stelle ich mir nicht einfach vor.
    Insbesondere wenn der hohe Cortisolspiegel schon Neurotransmitter wie Serotonin
    reduziert hat, kann es zudem zu Durchschlafstörungen kommen, da Serotonin der
    direkte Vorgänger des Durchschlafhormons Melatonin ist.
  • Cortisol wird auch vom Körper genutzt, um überflüssige Entzündung im Körper
    zu reduzieren. Nicht umsonst wird das chemische Pendant Kortison hauptsächlich
    zu diesem Zweck verwendet.
    Wer wenig unterschwellige Entzündung im Körper hat, kann hier aufatmen.
    Leider sind dies nur wenige.
    Durch eine moderne Ernährung, die reich an Kohlehydraten und billigen
    Omega 6 Fetten und arm an gesunden Omega 3 Fetten z.B. aus Fisch
    ist, haben fast alle Menschen, die sich „modern“ ernähren, zu viele
    Entzündungsbotenstoffe, sg. Prostaglandine im Körper.
    Die Folge: ein Anstieg sämtlicher entzündlicher, chronischer Krankheiten
    wie Krebs, Arteriosklerose, Alzheimer, Multiple Sklerose,
    Autoimmunkrankheiten, etc.
  • Cortisol ist kurzfristig katabol, macht also schlank.
    Langfristig macht es über den Zuckerstoffwechsel und seine Wechselwirkung
    mit Insulin dick – wer’s nicht glaubt, kann ja mal eine Kortisonkur machen
    und sich selber beim Aufdunsen zuschauen…..

 

foto by Danilo Rizzuti freedigitalphotos dot net


Kommentare

Stress und Cortisol — 2 Kommentare

  1. Stress ist einer der gefährlichsten Noxen im 21. Jahrhundert, möglicherweise sogar gefährlicher als Alkohol und Nikotin. Unter Stress wird, wie in diesem Blogartikel sehr anschaulich beschrieben, Adrenalin und Noradrenalin freigesetzt. Eine Entzündungsreaktion wird ausgelöst, der Körper muss Cortisol freisetzen um diese einzudämmen. Die Folge: ein geschwächtes Immunsystem, allgemeine Abgeschlagenheit, Erschöpfung. Kein Wunder,dass man nach stressigen Phasen vermehrt infektanfällig und krank ist. Auch auf die Psyche wirkt sich Stress negativ aus: die einen werden nervös und ungehalten, die anderen depressiv bis apathisch. Dauerstress hat negative Folgen für den gesamten Organismus, einen Ausweg aus diesem Hamsterrad zu finden hat deshalb oberste Priorität.

  2. Diesen Feststellungen kann ich mich aus leidvoller Erfahrung anschließen! Neben einer gesunden Ernährung viel und vor allem regelmäßigen Sport habe ich als dritte Säule zum Stress Abbau das meditieren für mich entdeckt, insbesondere die sogenannte MBSR (Mindfulness Based Stress Resuction) Meditations Technik, entwickelt von Jon Kabat-Zinn, in der Jahrtausende alte Meditations Methoden aus Asien angepasst auf die Moderne zur optimalen Stress Bekämpfung taugen.

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